Gut besucht war Mitte Juni die Sitzung des Expertenkreises Inklusion in der BadnerHalle. Foto: Stadt Rastatt/ Heike Dießelberg

„Es gibt keine Behinderten“ – Expertenkreis Inklusion traf sich in der BadnerHalle

Rastatt kommt gut voran beim Kommunalen Aktionsplan Inklusion, aber es gibt noch viel zu tun. So der Tenor auf der jüngsten, gut besuchten Sitzung des Expertenkreises Inklusion unter Leitung von Bürgermeister Arne Pfirrmann in der BadnerHalle. Neben Informationen aus der Verwaltung gab es auch einige Impulse aus dem Teilnehmerkreis. Allen voran von Hans Kühn, der, selbst blind, als Experte in eigener Sache die Sitzung mit einem Impulsvortrag eröffnete. Er verdeutlichte, warum Inklusion nicht einfach nur ein neues Wort für Integration sei. Inklusion stehe für ein neues Menschenbild, das die Einzigartigkeit jedes Menschen wertschätze – unabhängig von dessen körperlichen oder mentalen Voraussetzungen. „Es gibt keine Behinderten“, stellte Kühn klar. Nur die von Menschen gemachten Barrieren würden Behinderung bewirken.

Aktionsplan: 48 Maßnahmen umgesetzt im vergangenen Jahr
Seit 2016 sorgen Maßnahmen aus dem Kommunalen Aktionsplan Inklusion dafür, dass Barrieren nach und nach aus dem Stadtbild und den Köpfen verschwinden. Margrit Wagner-Körber, Inklusionsbeauftragte der Stadtverwaltung, erläuterte, dass im vergangenen Jahr 48 Maßnahmen für Barrierefreiheit und uneingeschränkte Teilhabe umgesetzt wurden. Beispielsweise der barrierefreie Neubau der Hans-Thoma-Schule, barrierefreie Zugänge und Toiletten im LWG, Bordsteinabsenkungen und barrierefreie Querungen in Straßen, akustische und taktile Zusatzsignale an Ampeln oder Toiletten auf Friedhöfen in Rauental und Niederbühl. Insgesamt rund 950.000 Euro gab die Stadt 2021 für diese Projekte aus. Auch beim inklusiven, generationenübergreifenden Leuchtturmprojekt „Daheim wohnen in Rastatt“ im Quartier Zay hätten sich wieder viele Akteure an zahlreichen Aktionen beteiligt. Aus dem Teilnehmerkreis kam der Wunsch nach mehr Informationsmaterial in einfacher und leichter Sprache. Auch mehr bezahlbarer Wohnraum müsse dringend geschaffen werden, hieß es. Angesprochen wurde ebenso das ungeordnete Abstellen von E-Scootern im Stadtgebiet. Hier plant die Stadt mit dem Anbieter als Verbesserung die Einrichtung von zentralen Sammelplätzen.

Neue Rheinpromenade mit barrierefreien Angeboten
Zum Thema leichte Sprache konnte Anne-Sophie Fulda ein gutes Projektbeispiel nennen. Die Mitarbeiterin aus der Stadtplanung präsentierte Ansichten der geplanten Rheinpromenade. Bei der Beschilderung des Lehrpfades seien Texte in leichter Sprache und mit Piktogrammen vorgesehen, so Fulda. Barrierefrei seien außerdem das Leitsystem, der Besucherpavillon, Toiletten, eine Bushaltestelle und Stellplätze. Die Beschaffenheit der Wege am Naturschutz- und Überschwemmungsgebiet und planungs- und baurechtliche Vorgaben machten es jedoch leider unmöglich, dass der gesamte Lehrpfad für alle zugänglich sei, bedauerte die Stadtplanerin. „Was andere Länder können, müsste doch auch bei uns möglich sein“, meinte hingegen ein Teilnehmer.

Was tut sich im Natura?
Was getan werden kann, um das Freibad Natura barrierefreier zugänglich zu machen, zeigte Tobias Peter vom Eigenbetrieb Bäder. In einer Begehung mit den Eheleuten Benigni Ende März seien bereits umgesetzte und demnächst anstehende Maßnahmen begutachtet worden. Beim Durchschreitebecken, bei Rampen oder bei der Ausstattung der Toiletten gibt es bereits Verbesserungen. Noch optimieren will der Eigenbetrieb bei der Wegeführung und bei den Handläufen am Becken. Eine Rutschentreppe als Einstiegshilfe oder ein mobiler Beckenlifter seien auf der Umsetzungsliste, deren Finanzierung sei aber noch nicht gesichert. Was jedoch gesichert sei, so Bürgermeister Pfirrmann: Barrierefreiheit werde im neuen Kombibad von Anfang an mitgeplant und der Expertenkreis intensiv in die Planungen eingebunden. Erste Anregungen holt sich der Expertenkreis übrigens am 11. Juli bei einer Besichtigung des neuen Waldseebads in Gaggenau.

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