Der Kommunale Aktionsplan Inklusion

Der Kommunale Aktionsplan Inklusion: die Eckpunkte

Der Aktionsplan Inklusion Rastatt zeigt auf, welche Barrieren es gibt und liefert gleichzeitig Vorschläge, wie sie konkret behoben werden können. In einem verbindlichen Maßnahmenkatalog ist klar aufgezeigt, was die Stadt Rastatt in welchen Bereichen und in welchem Zeitraum tun möchte, um Hindernisse im täglichen Leben abzubauen.

Zunächst beschäftigt sich der Aktionsplan 2016 bis 2018 schwerpunktmäßig mit zwölf Bereichen. Nach und nach sollen die Aktionsfelder aber ausgeweitet werden. Denn schließlich ist Inklusion ein fortlaufender Prozess. Schritt für Schritt geht es voran zu vollständiger Teilhabe aller Menschen am gesellschaftlichen Leben – ohne Barrieren.

 

  1. „Offen für alle“: Öffentliche Gebäude und Kulturorte
  2. „Kultur ist für alle da! – Jeder und jede muss teilhaben können“: Kultur und Freizeit
  3. „All inklusiv in Rastatt“: Geschäfte und privater Dienstleistungssektor
  4. „Im Kern inklusiv“: Straßen, Querungen, Ampeln und Schilder
  5. „Rastatt in Fahrt“: Verkehrsmittel
  6. „Rastatt bewegt“: Sport
  7. „Barrierefrei ins Grüne“: Grünanlagen und Erholung
  8. „Ohne Not durch Rastatt“: Barrierefreie Toiletten
  9. Friedhöfe
  10. „Rastatt inklusive“: Barrierefreie Informationen
  11. Barrierefreiheit für politische Teilhabe
  12. „Willkommen in Rastatt“: Inklusive Stadtverwaltung

 

Wer es ganz konkret wissen möchte: Die zwölf Bereiche im Detail

1. Öffentliche Gebäude und Kulturorte

Ziel: Alle öffentlichen Gebäude – ob Rathaus, Touristinformation, Bürgerbüro oder Museum – sind uneingeschränkt nutzbar.

Prämisse: Die Stadt berücksichtigt bei ihren Planungen in der Kernstadt und in den Ortsteilen alle Aspekte der Barrierefreiheit, egal ob bei Neubauten, Umbauten, Straßen und Kreuzungen und auch bei denkmalgeschützten Gebäuden.

Maßnahmen: Rampen, automatische Türöffner, Aufzüge, taktile Leitsysteme, barrierefreie Toiletten, kontrastreiche Schilder, keine Stufen.


2. Kultur und Freizeit

Ziel: Allen Menschen müssen Kultur- und Freizeitangebote gleichermaßen zugänglich sein.

Prämisse: Die Stadt fördert das gemeinsame kulturelle Miteinander mit spezifischen Angeboten für Menschen mit Behinderungen.

Maßnahmen: Informationen in einfacher Sprache, Einsatz von Gebärdensprache, barrierefreie Informations- und Kommunikationssysteme nach dem „Mehr-Sinne-Prinzip“ (sehen, hören, tasten), Beteiligung vielfältiger sozialer Gruppen an kulturellen Veranstaltungen, Förderung inklusiver Angebote, zum Beispiel Tourismusführungen, Angebote im Ferienprogramm


3. Geschäfte und privater Dienstleistungssektor

Ziel: Alle Menschen sollen selbstständig und selbstbestimmt ihren Lebensalltag bewältigen und Dienstleistungen barrierefrei in Anspruch nehmen können.

Prämisse: Die Stadt unterstützt private Dienstleister dabei, inklusive und barrierefreie Angebote zu realisieren.

Maßnahmen: Barrierefreie Zugänge zu Geschäften und Hilfsmitteln, in den Geschäften breite Gänge, barrierefreie Toiletten und Umkleidekabinen, Aufzüge, Beleuchtung, kontrastreiche Schilder, große Schrift, Serviceangebote und begleitendes Einkaufen. Qualifizierungs- und Zertifizierungsmaßnahme „Barrierefreies einkaufen in Rastatt“.


4. Straßen, Querungen, Ampeln und Schilder

Ziel: Alle Menschen sollen sich in Rastatt frei, selbstbestimmt und sicher bewegen können.

Prämisse: Die Stadt baut ihre Verkehrswege barrierefrei aus, insbesondere in der Innenstadt als zentralem Dienstleistungs- und Einkaufsbereich.

Maßnahmen: Übergänge an Bordsteinen, Straßen und Fahrradwegen sanieren, Hindernisse auf Gehwegen beseitigen, optische und taktile Markierungen auf den Straßen anbringen, längere Ampelphasen, akustische und optische Hilfen an Ampeln, größere und flache Verkehrsinseln, kontrastreiche Beschilderung, ausreichend Behindertenparkplätze


5. Verkehrsmittel

Ziel: Damit alle mobil sein können, soll das öffentliche Nahverkehrsnetz behindertengerecht ausgebaut und Busse, Haltestellen und Informationen barrierefrei gestaltet werden.

Prämisse: Die Stadt hat bereits ein Konzept zum barrierefreien Ausbau des ÖPNV erstellt und will bis zum Jahr 2021 einen vollständig barrierefreien ÖPNV haben.

Maßnahmen: Barrierefreier Ausbau von Bushaltestellen, Einsatz von Niederflurfahrzeugen, Symbolbeschriftung der Buslinien und Anzeigen im Zwei-Sinne-Prinzip (hören und sehen), Brailleschrift an wichtigen Informationsstellen, Schulung des Personals, Einsatz für einen barrierefreien Bahnhof.


6. Sport

Ziel: Alle Menschen sollen bei Sport- und Bewegungsangeboten mitmachen können.

Prämisse: Neubauten und Umbauten von Sportstätten und Sportanlagen erfolgen barrierefrei. Dabei werden jene Sportanlagen bevorzugt berücksichtigt, die für Behindertensport genutzt werden können.

Maßnahmen: Vereine motivieren, Breitensportangebote für Menschen mit Behinderungen anzubieten, Sportstätten mit festangelegten Wegen, Rampen, automatischen Türöffnern und barrierefreien Toiletten und Umkleidemöglichkeiten, Fördermöglichkeiten in Vereinsförderrichtlinien prüfen, transparente Informationen zu inklusiven Sportangeboten bereitstellen, Menschen mit Behinderungen in städtische Veranstaltungen einbinden, Projekte wie „Behindertensport macht Schule“ starten.


7. Grünanlagen und Erholung

Ziel: Naherholung steigert die Lebensqualität und soll allen gleichermaßen zugänglich sein.

Prämisse: Die Stadt berücksichtigt bei der Ausgestaltung ihrer Parks und Grünanlagen alle Aspekte der Barrierefreiheit.

Maßnahmen: durchgängige Wegeführung für Menschen mit Sehbehinderung, Begrenzungen der Wege mit einem Randstein und glatte Flächen und Gehwege, kontrastreiche Schilder, ausreichend Sitzbänke, Markierungen an Treppen.


8. Barrierefreie Toiletten

Ziel: Im Stadtgebiet sollen ausreichend barrierefreie Toiletten zur Verfügung stehen.

Prämisse: Die Stadt erweitert ihr Angebot an barrierefreien Toiletten.

Maßnahmen: Bereitstellung mehrerer barrierefreier Toiletten in der Innenstadt, Herausgabe eines Flyers mit den aktuellen Standorten der Toiletten, Informationen zum Erwerb eines Euroschlüssels im Bürgerbüro.


9. Friedhöfe

Ziel: Alle Menschen sollen Friedhöfe problemlos besuchen können.

Prämisse: Die Stadt berücksichtigt auf ihren Friedhöfen die Aspekte der Barrierefreiheit.

Maßnahmen: elektronische Türöffner, Hinweisschilder für Behindertenparkplätze und Kontrolle, Straßenbeläge auf dem Friedhof anpassen, barrierefreie Toiletten.


10.Barrierefreie Informationen

Ziel: Menschen mit Behinderungen sollen sich über inklusive Entwicklungen und Angebote in ihrer Stadt informieren können.

Prämisse: Die Stadt erstellt ein barrierefreies, interaktives Informationsportal im Internet speziell für Menschen mit Behinderungen. Damit will sie Menschen mit Behinderungen über spezielle Angebote auf dem Laufenden halten, sie aktiv am Prozess beteiligen und konkrete Rückmeldungen für gute Bespiele und Verbesserungsvorschläge erhalten.

Maßnahmen: barrierefreie Website nach dem Mehr-Sinne-Prinzip, Beteiligungsmöglichkeiten bereitstellen und Kotaktmöglichkeiten geben, Flyer und Informationsbroschüren erstellen, barrierefreie Kommunikation ermöglichen.


11.Barrierefreiheit für politische Teilhabe

Ziel: Alle Menschen müssen gleichermaßen am politischen Leben teilhaben können.

Prämisse: Die Stadt setzt sich dafür ein, dass Menschen mit Behinderungen aktiv am politischen Leben teilhaben können, sei es durch die barrierefreie Teilnahme an politischen Wahlen bis hin zur aktiven Mitgestaltung an politischen Beteiligungsprozessen.

Maßnahmen: Teilnahme am Expertenkreis Inklusion, barrierefreie Wahllokale, Wahlschablonen für Sehbehinderte, Fahrdienste für die Teilnahme an Sitzungen.


12.Inklusive Stadtverwaltung

Ziel: Das klare Bekenntnis der Stadt Rastatt zu einer inklusiven Stadtgesellschaft soll sichtbar werden durch das positive Beispiel einer inklusiven Stadtverwaltung.

Prämisse: Die Stadt erhöht die Kompetenz der eigenen Mitarbeiter für Inklusion und Barrierefreiheit, beteiligt Bürgerinnen und Bürger mit ihrem Expertenwissen am Inklusionsprozess und entwickelt eine barrierefreie Kommunikation.

Maßnahmen: Austausch mit anderen Kommunen, Raumplanungen auch innerhalb der Verwaltung berücksichtigen die Aspekte der Barrierefreiheit, barrierefreie Arbeitsplätze werden gewährleistet, Mitarbeiter werden qualifiziert, eine barrierefreie Website erstellt.

Unsere Partner

 

Evangelische Hochschule

Die Entwicklung des Rastatter Aktionsplans zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention wurde von Professor Jo Jerg von der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg begleitet. In diesem Rahmen haben die Studenten Tobias Katz und Sebastian Backes ihr Projektstudium absolviert und zusammen mit Professor Jo Jerg und im Austausch mit dem Fachbereich Jugend, Familie und Senioren der Stadt Rastatt sowie dem Expertenkreis Inklusion in Rastatt eine Vorlage für ein barrierearmes, interaktives Portal erarbeitet.

Diese Vorlage diente als Grundlage für das nun entstandene Portal Rastatt inklusiv.

 

Die Evangelische Hochschule Ludwigsburg begleitet seit 35 Jahren innovative Projekte im Bereich der Integration und Inklusion von Menschen mit Behinderungserfahrung in den Arbeitsfeldern Frühkindliche Bildung, Arbeit, Wohnen, Freizeit und Quartiersentwicklung. Seit dem Jahr 2000 ist dies der Arbeitsbereich von Professor Jo Jerg an der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg. Ziel der wissenschaftliche Begleitung ist es, durch kritische Analysen, Evaluationen oder Beratung von Projekten einen Beitrag zu leisten, damit die allgemeinen Menschenrechte auch für den Personenkreis von Menschen mit Behinderungen realisiert werden.